Karate als Wettkampfsport

Für junge Karateka ist es eine grosse Herausfordrung und Lebensschule, wenn sie an Turnieren teilnehmen. In den 1950er Jahren wurde das sogenannte Sport-Karate durch Masatoshi Nakayama dem damaligen Chefinstruktor der Japan Karate Association, in Kata (vorführen einer Form) und Kumite (Zweikampf) eingeführt. Zu dieser Zeit kannte man nur die Kumiteform Ippon Shobu, wo es darum geht, den Gegner mit einer entscheidenden Technik zu besiegen.

Mario Trachsel in Aktion
Mario Trachsel in Aktion an der Ippon Shobu SM 2006 in Basel

Da im traditionellen Karate die Angriffe mit voller Wucht ausgeführt, aber vor dem Körper des Gegners blitzartig gestoppt werden, verlangt es höchste Konzentration von Sportlern wie auch den Schiedsrichtern. Müssen doch die letzteren in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob der Angiff im Ziel und  Wirkungspotential vorhanden war. Da die Japan Karate Association den Shotokan Karatestil praktiziert, konnten  die anderen Karatestile in den  Anfängen nicht an grossen Turnieren teilnehmen. Heute gibt es Stilmeisterschaften aber auch Stil offene Meisterschaften. Dazu gehören in der Schweiz die Swiss Karate League Turniere, wo die Kumitebewerbe im Kampfsystem Shobu der World Karate Federation ausgetragen werden. Dabei sind die Kriterien für die Vergabe eines Punktes die selben wie im Ippon Shobu System. der Unterschied liegt darin, dass während einer vorgegeben Kampfzeit von 2 - 4 Minuten, je nach Alterskategorie, soviele Punkte wie möglich gesammelt werden und am Schluss derjenige mit dem höheren Punktekonto gewinnt. Der Kampf kann nur vorzeitig beendet werden, wenn einer der Kämpfer mit acht Punkten Vorsprung führt, oder wegen Regelverstoss disqualifiziert wird. In der Swiss Karate Federation (SKF) dem offiziellen, von Swiss Olympic anerkannten Karateverband der Schweiz, werden in beiden Kampfsystemen Schweizermeisterschaften ausgetragen. Was weltweit wahrscheinlich einzigartig ist. Dies zeigt, dass in der SKF alle Karaterichtungen, welche den Niederschlag als Regelverstoss betrachten, vertreten sind. Leider werden die zwei Kampfsysteme vielfach gegeneinander ausgespielt.

Wir vom Kenseikan Karate-Do Thun sind der Meinung, dass beide Systeme ihre Berechtigung haben. Da im Ippon Shobu nur ein ganzer Punkt zu vergeben ist, wird die Konzentrationsfähigkeit der Sportler enorm gefördert. Ippon Shobu ist vielleicht näher an der Selbstverteidigung als Shobu, da es in einer reellen Kampfsituation nicht mehrere Chancen geben wird. Im Shobu sind die athletischen Anforderungen der Sportler sehr hoch. Karateka, welche nicht mindestens täglich traininern, haben in den Elitekategorien kaum eine Chance Erfolg zu haben. Auch in einem Ernstfall wird eine gute konditionelle Vefassung von grosser Bedeutung sein. Dies sind unter andrem Gründe, weshalb beide Systeme für das Fortbestehen der Kampfkunst Karatedo wichtig sind.

Tradition kann nur überleben, wenn neue Erkenntnisse zugelassen werden. Oder anders gesagt, Stillstand ist Rückschritt.